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Eine Woche im April!




In der Schule haben wir das Buch "Die Welle" durchgenommen. Wir waren sogar im Theater und haben den Film gesehen. Vor ein paar Wochen habe ich dann die Doku "The Invisible Line" geschaut. Hier berichten einige Schüler über ihre Erfahrungen während des Experiments von 1967 und ihre Einschätzungen zu dem ganzen Thema.

Ich bin immer noch überrascht. Das ganze Projekt dauerte nur eine Woche. Eine Woche im April genügte, um aus normalen Schülern eine Gruppe von mehr als 200 Menschen zu formen, die sich totalitären Ideen verpflichtet fühlten. Eine Woche veränderte das Leben aller Teilnehmer. Es herrschte ein System aus Angst, obwohl die härteste Strafe der Verweis aus der Gruppe war und niemand um sein Leben bangen musste. Die Schüler wussten nicht mehr, mit wem sie über das Thema sprechen konnten und wer nur darauf wartete, sie zu denunzieren. Diese Unsicherheit schuf eine stabile Gruppe. Es gab Dinge, über die man nicht sprechen durfte. Verhalten und Sprechweise wurde vorgegeben. Die Individuen wurden zu einer Masse. Gustav LeBon hat schon im 19. Jahrhundert die These aufgestellt, dass Gruppen dümmer sind als das Individuum. Hier und bei vielen anderen Gruppen bestätigt sich diese These.

Jetzt kann man sagen, Jugendliche sind leicht verführbar, bei Erwachsenen geht das nicht so leicht. Mach andere behaupten, sie würden so etwas sofort erkennen und nie mitmachen und schauen auf die Teilnehmer sogar herab.

Bedenken wir, dass uns heute ganz andere Mittel zur Verfügung stehen, um andere zu manipulieren. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir nicht auch Opfer eines Manipulators werden oder unsere Kinder. Wir dürfen uns die Frage stellen, wie wir mit Social Media und der daraus entstehenden Meinungsblase umgehen. Durch ständiges Wiederholen der Nachrichten, der Tweets, Posts und Videos kann sich schnell ein verzerrtes Bild dieser Welt ergeben. Unsere Meinung fußt dann nicht mehr auf den Fakten, sie bezieht sich auf scheinbare Fakten. Diese Fakten verteidigen wir mit einer immer stärkeren Vehemenz und unser Gehirn interpretiert alles in die für uns wahre Richtung. Die ersten Manipulationen bei Wahlen haben wir beim Brexit erleben dürfen. Trotzdem fühlen sich viele sicher vor Manipulationen. Für einen guten Manipulator ist das ein guter Hinweis, diese Menschen sind am leichtesten zu manipulieren.

Was meinst du, bist du anfällig für Manipulationen? Wärest du anfällig für die Welle gewesen?


Jetzt geht es in unserem Gehirn schon los. Natürlich möchte niemand sich eingestehen, anfällig für ein totalitäres System zu sein. Wir möchten zu den guten Gehören und die schlechten für alles verantwortlich machen. Wir und unser Umfeld sind natürlich gut und deswegen ist diese Frage schon gefährlich. Was könnten andere sagen, wenn ich zugebe, ich wäre auf die Welle hereingefallen. Was sagt "das Netz" dazu und kann es mir passieren, dass andere mich deswegen nicht mehr mögen? Gedanken, die in Windeseile durch unseren Kopf schießen und auch mich erst stoppen ließen. Der einzige Gedanke sollte sein, ich beantworte die Frage wahrheitsgemäß und werde mich dann mit anderen dazu austauschen, damit wir uns jeder besser verstehen können.

Ich kann nur für mich sprechen und ich wäre anfällig gewesen. Selbst mit dem heutigen Wissen über Manipulationstechniken fällt es schwer, sich dem Ganzen zu entziehen. Deswegen machen die Psychologin Josephine Flentje und ich einen Vortrag zu dem Thema Manipulation. Hier kannst du erfahren, wie manipulierbar du bist und welche Techniken heute besonders gerne angewendet werden. Du bist herzlich eingeladen, der Welle aus dem Weg zu gehen. Du kannst vor dem Vortrag dich selber testen und interessante Spiele zu dem Thema machen. Tickets gibt es hier: https://www.manipolution.de/details-registrierung/manipolution-wie-leicht-lasst-du-dich-manipulieren-teil-1

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